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Extreme Wetterereignisse und Haare von Haustieren gefährden den Bruterfolg von Kohlmeisen

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 3. Apr 2026, 08:33
Mit rund 6 bis 7,45 Millionen Brutpaaren gehört die → Kohlmeise (Parus major) zu den häufigsten Singvögeln in Deutschland. Bei der regelmäßig im Mai stattfindenden → Stunde der Gartenvögel von NABU und LBV hat sie in den vergangenen Jahren stets den 3. Platz belegt, bei der Anfang Januar stattfindenden → Stunde der Wintervögel den 2. Platz. Ihr Lebensraum sind baum- und gehölzreiche Orte wie Laub- und Mischwälder, Parks und Gärten.
Fütternde Kohlmeise
(c) Jutta Trentz/NABU-naturgucker.de
In Oxfordshire in Großbritannien wird die Kohlmeisen-Population seit 1947 systematisch untersucht. Seit den 1960-er Jahren hängen dort mehr als 1.000 Nistkästen für höhlenbrütende Singvögel. Während der Brutsaison zwischen April und Juni werden sie mindestens einmal pro Woche besucht. Erfasst werden der Zeitpunkt, wann das erste Ei gelegt wird und wann der erste Vogel schlüpft, die Größe des Geleges und wie viele Jungvögel schlüpfen. Außerdem wird der Nachwuchs beringt und im Alter von 15 Tagen gewogen. Mit den Daten von fast 84.000 Nestlingen aus rund 11.600 Bruten der Jahre 1965 bis 2024 sowie täglichen Wetterdaten ist ein britisches Forschungsteam der Frage nachgegangen, wie sich Extremwetterereignisse auf die Entwicklung des Nachwuchses auswirken. Extreme Kälte in der ersten Woche ihrer Entwicklung wirkt sich nachteilig auf das Flüggewerden der jungen Kohlmeisen aus. Sehr starke Regenereignisse haben einen umso negativeren Einfluss, je älter die Nestlinge sind und je höher damit ihr Energiebedarf steigt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass extreme Hitze und starke Regenfälle während der frühen Entwicklung dazu führen, dass die jungen Kohlmeisen bis zu 27 Prozent weniger wiegen, wenn sie flügge werden. Brüten die Kohlmeisen früher, können diese negativen Auswirkungen bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen werden. Erkenntnisse dieser Art sind wichtig, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vogelpopulation besser zu verstehen. [1]
Kohlmeisen im Nest, (c) Michael Kunde/NABU-naturgucker.de
Kohlmeisen im Nest
(c) Michael Kunde/NABU-naturgucker.de
Tierhalter*innen, die Vögel beim Nestbau mit den Haaren ihres Hundes oder ihrer Katze unterstützen wollen, schaden den Vögeln damit eher, als sie ihnen helfen. Ebenfalls in Großbritannien haben Forschende 103 Nester von Kohlmeisen und → Blaumeisen (Cyanistes caeruleus) aus Nistkästen auf Insektizide untersucht, die zur Abwehr von Ektoparasiten bei Heimtieren eingesetzt werden. 2 bis 11 Insektizide fanden sie pro Nest, in jedem davon Fipronil, Imidacloprid und Permethrin. Im Nest sind sowohl die Elternvögel als auch der Nachwuchs diesen Chemikalien über die Haut ausgesetzt. In Nestern mit einer höheren Anzahl an Insektiziden oder einer höheren Gesamtkonzentration gab es mehr tote Nachkommen oder weniger aus den Eiern geschlüpfte Vögel. Dies deutet darauf hin, dass der Kontakt der Eier mit Insektiziden zu einer höheren Sterblichkeit und einem geringeren Fortpflanzungserfolg führen kann. Umweltrisiken, die mit der Verwendung dieser wirksamen und langlebigen Insektizide bei Haustieren verbunden sind, sollten neu bewertet werden.[2] Hinzu kommt die Gefahr, dass sich die Vögel in den Haaren verfangen und dadurch sterben können. Wer Vögel beim Nestbau unterstützen möchte, sollte abgestorbene Pflanzen über den Winter stehen lassen, Sträucher erst spät im Frühjahr schneiden sowie Moos zulassen und Bereiche, in denen die Pflanzen einfach wachsen dürfen.[3]

[1] Satarkar, D., D. López-Idiáquez, I. Sepil, and B. C. Sheldon. 2026. “ Developmental Stage-Specific Responses to Extreme Climatic Events and Environmental Variability in Great Tit Nestlings.” Global Change Biology 32, no. 3: e70794. DOI: → 10.1111/gcb.70794
[2] Cannelle Tassin de Montaigu, Gaetan Glauser, Sylvie Guinchard, Dave Goulson, High prevalence of veterinary drugs in bird's nests, Science of The Total Environment, Volume 964, 2025, 178439, ISSN 0048-9697. DOI: → 10.1016/j.scitotenv.2025.178439

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